Impressionen der Schleiftagung 2026

 

 

Pressemitteilung - Nachbericht

Aachen, 10.02.2026

Schleiftagung 2026 – Nichts ersetzt vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen innerhalb der schleiftechnischen Branche

Schon im vorigen Jahr zeigte die Schleiftagung, dass enge Vernetzung von Industrie und Wissenschaft mit- und untereinander ein zentraler Schlüssel für die gegenwärtig anspruchsvolle wirtschaftliche Lage sein kann. Am 4. und 5. Februar 2026 fand nun in der Schwabenlandhalle Stuttgart-Fellbach die Schleiftagung 2026 statt, auf der zahlreiche intensive Diskussionen und eine kommunikative Stimmung zwischen den Teilnehmenden dies wieder eindrucksvoll deutlich machten. Das Manufacturing Technology Institute – MTI der RWTH Aachen hatte gemeinsam mit der refocus consulting GmbH zu der Tagung eingeladen.

Tagungsleiter Jannik Röttger (EMAG Maschinenfabrik GmbH) führte kompetent durch die fachlich hochwertigen Präsentationen des Vortragsprogramms, beginnend mit dem Keynote-Vortrag von Marc Blaser (Blaser Swisslube AG). Dieser knüpfte an das weit bekannte Modell eines „ökologischen Fußabdrucks“ an und lieferte Impulse, das Schleifen neu als „Handprint“ zu denken. Er betonte, Produktivität und Nachhaltigkeit seien keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Der „Handprint“ beschreibe demnach die positive Wirkung einer aktiv eingebrachten Prozessverbesserung – ob diese nun auf eine stabilere Qualität oder einen geringeren Energiebedarf pro Bauteil abziele. Das System Schleifen hänge vor allem entscheidend von den beteiligten Menschen ab, die vertrauensvoll in der gesamten Branche zusammenarbeiten müssen.

Viele der nachfolgenden Referenten griffen den Aspekt der partnerschaftlichen Kooperation auf Augenhöhe im fachlichen Austausch kooperierender Unternehmen auf. Ob diese innovative Maschinenkonzepte vorstellten wie Dr. Oliver Gossel (Röders GmbH) und Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Christian Möhring (IFW Stuttgart) oder Lösungen zur Optimierung des Kühlschmierstoffeinsatzes im Schleifprozess. Hierzu präsentierte Reinhard Schmidt (econ industries services GmbH) ein Anlagenkonzept zur industriellen Entölung von Schleifschlämmen. Eine eindrucksvolle Diskussion kam um den Vortrag von Wolfgang Heidtmann (Reckel GmbH) auf, der weithin übertragbare methodische Impulse zur Umstellung der Kühlschmierstoffstrategie in einem Bandschleifprozess lieferte und so Rückfragen aus diversen Branchenkreisen hervorrief – ein Austausch ganz im Sinne der von Marc Blaser motivierten Zusammenarbeit.

Eine gewichtige Stimme innerhalb der vernetzten Branche kommt dem wissenschaftlichen Nachwuchs an renommierten Hochschulen im deutschsprachigen Raum zu, die in sieben Postervorträgen anschauliche Einblicke in ihre Forschung gewährten. In der derzeit angespannten wirtschaftlichen Situation motivierten ihre kreativen Denkanstöße für die Entwicklung von Schleifprozessen zu einem positiven Blick in die Zukunft. Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist dieser nicht ganz unbegründet, wie Dr. Sonna Pelz (VDW) anhand aktueller Zahlen zur Lage des Werkzeugmaschinenbaus und im Speziellen für die Schleiftechnik zu Beginn der Podiumsdiskussion zeigte. Der ökonomische Abschwung der letzten Jahre sei weltweit nicht gleich verteilt, sondern vielmehr gebe es in Übersee Märkte, die ein hohes Absatzpotenzial für technologisch fortgeschrittene Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bieten. Einen konkreten Blick aus ihrem geschäftlichen Alltag, der diese Zahlen reflektierte, lieferte der Fachbeirat der Schleiftagung – einschließlich der neu berufenen Mitglieder Dr. Georg Gerlitzky (Diamant-Gesellschaft Tesch GmbH) und Christoph Müller (DR. KAISER DIAMANTWERKZEUGE GmbH & Co. KG) in der von Jannik Röttger moderierten Podiumsdiskussion. Sie blickten auch auf den Einsatz von KI in der Schleiftechnik, der sich zwar nicht als Allheilmittel, aber anwendungsspezifisch als gute Möglichkeit zur Effizienzsteigerung von Prozessen darstelle. Neben Beispielen aus der Forschung von Prof. Dr. Thomas Bergs (MTI der RWTH Aachen) hatte dies auch der Exkursvortrag von Prof. Dr. Frank Piller (TIME der RWTH Aachen) gezeigt. Sein Fazit: Die KI könne vieles übernehmen. Letztlich bliebe trotzdem ein Element, das nur Menschen leisten können – Vertrauen in das eigene Unternehmen aufzubauen, ganz im Sinne der Keynote von Marc Blaser.

Die Frage, wie „vertrauensvolles Zusammenarbeiten“ und das zugehörige Aufbauen und Pflegen von Kontakten in der Praxis gut umzusetzen ist, beantwortete dann Clemens Graf von Hoyos, Inhaber der Knigge-Akademie, in seinem Wortbeitrag auf der Abendveranstaltung zum Ausklang des ersten Veranstaltungstages. Er erläuterte den Teilnehmenden Strategien, die sie gleich am Folgetag sowie im Nachgang der Tagung zur Anwendung bringen konnten.

Der zweite Veranstaltungstag der diesjährigen Schleiftagung adressierte sowohl industrielle Präzisionsschleifprozesse, die ein integraler Bestandteil des Programms der Schleiftagung sind, als auch Blicke über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus. In der Themensession zu innovativen Schleifwerkzeugen standen aktuelle Entwicklungen zur Steigerung von Nachhaltigkeit und Prozessstabilität im Fokus. Christoph Müller (DR. KAISER DIAMANTWERKZEUGE GmbH & Co. KG) präsentierte Lösungen zur nachhaltigen und präzisen Abrichttechnik. Dabei stellte er unter anderem imprägnierte Beläge vor, die eine höhere Effizienz und Prozesssicherheit in Schleifprozessen ermöglichen. Dr. Thomas Mohn (August Rüggeberg GmbH & Co. KG) ergänzte die Session mit einem praxisorientierten Blick auf Nicht-Präzisions-Schleifanwendungen und zeigte deren wirtschaftliche und technologische Relevanz in industriellen Serienprozessen auf – eine Perspektive, die auch viele Expertinnen und Experten aus der Präzisionsschleiftechnik ob des hohen Marktvolumens erstaunte. Georg Paulus (Lapport Schleiftechnik GmbH) beleuchtete die Herausforderungen und Grenzen bei der Entwicklung keramischer Bindungssysteme für konventionelle Schleifmittel und stellte dar, wie materialtechnische Anpassungen die Leistungsfähigkeit moderner Schleifwerkzeuge beeinflussen.

Der letzte Themenblock der Schleiftagung widmete sich der effizienten Prozessauslegung. Joel Villiger (Meister Abrasives AG) präsentierte mit der UltraFine-Technologie neue Ansätze des Feinschleifens im Doppelseitenplanverfahren und zeigte deren Potenzial zur signifikanten Qualitätssteigerung bei gleichzeitig reduzierten Bearbeitungszeiten. Einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Bewertung von Oberflächenbehandlungen wie dem Schleifen lieferte Prof. Dr. Henning Heuer (Fraunhofer IKTS Dresden). Er demonstrierte, wie mithilfe hochfrequenter Wirbelstromspektroskopie und mithilfe von Ultraschall Eigenspannungen und Einwirktiefen zerstörungsfrei analysiert werden können. Mario Preis (DVS Technology Group) stellte anschließend die gezielte Oberflächenbeeinflussung durch die Kombination aus Hartdrehen, Schleifen und Bohrungshonen vor, verdeutlichte die Vorteile hybrider Prozessketten für die Funktionsoptimierung hochbeanspruchter Bauteile und zeigte die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Schleiftechnik.

Im weiteren Verlauf der Session präsentierte Dr. Andreas Mehr (Liebherr-Verzahntechnik GmbH) moderne Schleiftechnologien für die wirtschaftliche Herstellung leistungsstarker Verzahnungen. Anhand aktueller Anwendungen zeigte er, wie sich Präzisionsanforderungen und Produktivität in Einklang bringen lassen. Den Abschluss bildete Prof. Dr. Thomas Bergs (MTI der RWTH Aachen) mit einem Vortrag zum Einsatz digitaler Technologien in der Schleiftechnik. Am Beispiel der Fertigung von Triebwerkskomponenten in der Luftfahrtindustrie verdeutlichte er die Möglichkeiten der datenbasierten Prozessauslegung und Datenvernetzung zur Steigerung von Qualität, Transparenz und Effizienz in der Produktion.

Die Industrieausstellung der Schleiftagung 2026 übertraf den letztjährigen Teilnehmerrekord noch einmal und war mit 20 Ständen namhafter Unternehmen und Institutionen aus der Schleiftechnik erstmals vollständig ausverkauft. Sie bot die Möglichkeit, daraus gleich Kooperationspotenziale abzuleiten und sich mit den richtigen Ansprechpersonen zu vernetzen – kurz: die vertrauensvolle Zusammenarbeit zu initiieren und zu stärken, die als Leitmotiv die gesamte Tagung begleitete. Vertreten waren die Unternehmen Blaser Swisslube GmbH, Diamant-Gesellschaft Tesch GmbH, DR. KAISER DIAMANTWERKZEUGE GmbH & Co. KG, FANUC Deutschland, GMN Paul Müller Industrie GmbH & Co. KG, KNOLL Maschinenbau GmbH, Lehmann-UMT GmbH, MARPOSS GmbH, Oemeta Chemische Werke GmbH, Polytec GmbH, Quaker Houghton Sales B.V., Reckel GmbH, Röders GmbH, SPL GmbH, Stresstech GmbH, THELEICO Schleiftechnik GmbH & Co. KG, Tyrolit AG sowie ein Infostand der schleiftechnischen Fachmesse GrindingHub und Stände des Manufacturing Technology Institute – MTI der RWTH Aachen sowie des Instituts für Maschinenelemente (IMA) der Universität Stuttgart.

Nachdem sich die schleiftechnische Branche im Mai auf der GrindingHub in Stuttgart treffen wird, freuen sich viele der etwa 160 Teilnehmenden bereits auf die Vertiefung der partnerschaftlichen Kooperation zwischen ihren Unternehmen und Instituten auf der nächsten Schleiftagung. Sie wird am 27. und 28. Januar 2027 ebenfalls in der Schwabenlandhalle Fellbach stattfinden und erneut mit spannenden Impulsen zu allen Komponenten effizienter und nachhaltiger Schleiftechnik, mit einem möglichst guten „Handprint“, aufwarten. Weitere Informationen sind stets unter www.schleiftagung.de verfügbar.

Bild 1: Keynote-Vortrag "Vom Footprint zum Handprint – Schleifen neu denken" von Marc Blaser (Blaser Swisslube AG)
Bild 2: Exkursvortrag „Erfolgreiche Innovation jenseits des Kerngeschäfts: Wie Sie die zentrale Herausforderung Ihres Geschäfts erfolgreich angehen können“ von Prof. Dr. Frank Piller (Research Area Technology, Innovation, Marketing, Entrepreneurship (TIME) der RWTH Aachen)
Bild 3: Podiumsdiskussion mit dem Fachbeirat und weiteren Expert:innen aus der Branche, v.l.n.r.: Arne Hoffmann (Blohm Jung GmbH), Dr. Georg Gerlitzky (Diamant-Gesellschaft Tesch GmbH), Prof. Dr. Thomas Bergs (MTI der RWTH Aachen), Roman Stabauer (Grindaix GmbH), Tobias Engenhart (Knoll Maschinenbau GmbH), Christoph Müller (DR. KAISER DIAMANTWERKZEUGE GmbH & Co. KG), Dr. Sonna Pelz (VDW), Georg Güntert (Güntert Präzisionstechnik GmbH), Dr. Tobias Röthlingshöfer (Wittenstein galaxie GmbH), Jannik Röttger (EMAG Maschinenfabrik GmbH)
Bild 4: Postersession mit Nachwuchswissenschaftlern renommierter Hochschulen
Bild 5: Networking in der Industrieausstellung
Bild 6: Abendveranstaltung mit Impuls „Networking mit Stil und System“ von Clemens Graf von Hoyos (Knigge-Akademie)

alle Bilder © Manufacturing Technology Institute MTI der RWTH Aachen / Fotograf: Jakob Kriener

 

Tagungsprogramm 2026

Peter Breuer

Herr Peter BreuerOrganisatorische Leitung Schleiftagung

+49 241 945770 42